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Hand, die Heizungsthermostat berührt

Heizungen für den Neubau: Welche Heizung lohnt sich wirklich?

Explodierende Stromkosten, immer teurer werdende Energieträger – bei der Planung von Neubauten, im speziellen von selbstgenutzten Wohnhäusern, sollte die Wahl der künftigen Heizmethode gut durchdacht sein. Oft erscheinen Investitionen in moderne Heizanlagen als „zu hoch“ – dabei amortisieren sich diese im Verlauf einiger weniger Jahre in der Regel. Gemäß dem Plan, dass in absehbarer Zukunft alle Neubauten im Standard „Niedrigstenergiegebäude“ erstellt werden müssen, bietet es sich heute schon an, die für das jeweilige Objekt bestmögliche Beheizung in die Bauplanung aufzunehmen.

Im Folgenden gehen wir auf verschiedene Möglichkeiten zur Wärmeerzeugung ein, darunter:

  1. Solarthermie
  2. Pelletheizung
  3. Wärmepumpenheizungen
  4. Sonstige Heizsysteme (z.B. Fernwärme, Ölheizung)

HEIZEN – MEHR ALS NUR WÄRME

Die behagliche Wärme einer jeden Heizungsanlage ist lediglich das Endprodukt einer ganzen Fülle von Kriterien, die bei der Auswahl der passenden Heizmethode erfüllt sein sollten. Es geht um die Umweltbilanz, den Wirkungsgrad, Wartungs- und Instandhaltungskosten, die erstmalige Investitionssumme, Förderfähigkeit und auch den Platzbedarf. All das muss berücksichtigt werden – viel zu bedenken und schwer zu überblicken. Für einen ersten Überblick ist es hilfreich, die verschiedenen Heizmethoden in ihren Grundzügen zu kennen – deshalb werden diese nachfolgend kurz vorgestellt.

Solarthermie –Warmwassererzeugung durch die Kraft der Sonne

Die Kraft der Sonne ist, abgesehen von der zu installierenden Technik, vollkommen kostenlos und mit einer extrem vorteilhaften Umweltbilanz gesegnet. Die Solarthermie darf nicht mit der Photovoltaik verwechselt werden – bei dieser wird mit der Sonneneinstrahlung Strom bzw. Elektrizität erzeugt.

So funktioniert es

Wenn mittels Sonneneinwirkung Wärme aufgenommen und gespeichert wird, spricht man von Solarthermie. Sonnenkollektoren für die Solarthermie können auf Dächern (Wohnhäuser, Nebengebäude, Garagen) und auch auf freien Flächen installiert werden, wo sie allerdings aufgrund der größeren Wegstrecke zum Wärmetauscher deutlich weniger Effizienz aufweisen. Die Kollektoren ähneln optisch denen der Photovoltaikanlagen, verfolgen allerdings ein ganz anderes Funktionsprinzip.

Hinter den schwarzen Kollektorflächen verlaufen Schlauch- bzw. Rohrleitungen, die mit einer Wärmeträgerflüssigkeit gefüllt sind. Die eingefangene Wärme wird von den Kollektoren an diese  Flüssigkeit abgegeben und mittels Leitungssystem zu einem Wärmetauscher transportiert, wo die transportierte Wärme von der Flüssigkeit an den Hauswasserkreislauf abgegeben wird. Die nun abgekühlte Flüssigkeit wird wieder zu den Kollektoren geführt, wo der Kreislauf von neuem beginnt. Je nachdem, wie groß die Fläche der Solarkollektoren geplant wird, lassen sich im Jahresmittel gut 60% des Ganzjahresverbrauchs an Warmwasser über die Solarthermie erzeugen. Man rechnet dabei mit gut 1,5m² Kollektorfläche je im Haushalt lebender Person. Vergrößert man die Fläche auf 2,5m² – 

3m² je Person, lässt sich die Abdeckung auf bis zu 100% des Warmwasserbedarfs ausdehnen. Langfristig eine äußerst sinnvolle Investition.

Vorteile 

  • Sonnenenergie ist praktisch unbegrenzt verfügbar, nahezu klimaneutral, frei von  Kohlendioxid, kostenlos und insgesamt äußerst umweltverträglich
  • Die Abhängigkeit von schwankenden Strompreisen ist, in Bezug auf die Warmwassererzeugung, nicht mehr gegeben
  • Es existieren derzeit noch hervorragende Fördermöglichkeiten durch die Kfw und Bafa.
  • Sind Qualität und Pflege der Kollektoren sichergestellt, können diese mit einer sehr   langen Lebens- und Nutzungszeit glänzen
  • Sowohl die Wartungs- als auch die Störungszeiten von Solarkollektoren fallen äußerst  niedrig aus, wenn bei der Anschaffung auf Qualität geachtet wurde.

Nachteile

  • Die Investitionskosten fallen relativ hoch aus
  • Um genügend Warmwasser mit Sonnenenergie erzeugen zu können, muss eine  ausreichend große Fläche für die Installation der Kollektoren vorhanden sein
  • Die Effizienz der Solarthermie ist Witterungsabhängig – bei längeren Schlechtwetterphasen ist man auf einen großen Warmwasserspeicher angewiesen, der solche Wetterphasen möglichst ausgleicht.
  • Der Standort, an dem die Kollektoren platziert werden, muss möglichst frei sein. Schattenwurf von umliegenden Gebäuden oder hohen Bäumen reduziert die Effizienz der Kollektoren teilweise erheblich.
  • Defekte Kollektoren müssen fachgerecht entsorgt werden, was finanziell durchaus  ein bemerkenswerter Posten werden kann. Es dreht sich dabei weniger um die Kollektorelemente selbst, sondern um die Wärmeträgerflüssigkeit, die sich aus Glykol und Wasser zusammensetzt.

Unbestreitbar zeigen sich Pelletheizungen in Sachen Umweltfreundlichkeit und Ezienz ganz weit vorne – immerhin handelt es sich dabei um einen regenerativen Energieträger, der praktisch unbegrenzt nachproduziert werden kann.

Pelletheizung – Wärmeerzeugung mit Abfall aus regenerativen Energieträgern

Aus Abfall Wärme erzeugen – so einfach kann Heizen sein. Ganz so einfach ist es allerdings nicht, denn es handelt sich natürlich nicht um den üblichen Haushaltsmüll, sondern um Ab-fälle der Holzindustrie in Form von Holzresten, die in Pellet-Form gepresst zur Verbrennung in Pelletheizungen verkauft werden. Unbestreitbar zeigen sich Pelletheizungen in Sachen Umweltfreundlichkeit und Effizienz ganz weit vorne – immerhin handelt es sich dabei um einen regenerativen Energieträger, der praktisch unbegrenzt nachproduziert werden kann. Pelletheizungen können dabei nicht nur in Form einer Zentralheizung, sondern auch als Öfen für einzelne Räume genutzt werden. Moderne Pelletheizungen erzeugen nicht nur Wärme zum heizen, sondern können auch für die Warmwassererzeugung genutzt werden (auch zeitgleich). Moderne Pelletheizungen stehen gängigen Heizungssystemen, die mit Gas oder Öl befeuert werden, auch beim Komfort kaum nach.

Der Gedanke, dass bei einem Heizungssystem mit Holzbefeuerung viel Asche anfallen würde, ist zwar naheliegend, aber falsch. Moderne Pelletheizungen erzeugen aufgrund ihrer Verbrennungstechnik (Holzvergasung mit mehreren Brennkammern) dafür, dass lediglich 2% – 5% der ursprünglichen Holzmasse als Asche anfällt. Diese wird im Übrigen automatisch aus der Brennkammer abgeführt, sodass man nicht täglich die Asche entsorgen muss.

Alternativ zu den Holzpellets können als Energieträger auch sogenannte Hackschnitzel oder sogar Holzscheite verwendet werden. Dafür muss dann allerdings ein anderes Heizungssystem verwendet werden, dass Festbrennstoffe unterstützt und entsprechend nutzen kann.

Das Funktionsprinzip einer Pelletheizung:
Moderne Pellet Heizungsanlagen verfügen über eine automatisierte Zuführung von Pellets, die den aktuellen Bedarf an Pellets ohne menschliches Zutun bedarfsgerecht in die Brennkammer erledigt. Ist die Pelletheizung eine Zentralheizung, wird die durch die Pelletverbrennung erzeugte Wärme über den normalen Wasserkreislauf in die Heizkörper der einzelnen Räume transportiert.

Vor- und Nachteile von Pelletheizungen Die Absatzzahlen der Hersteller von Pelletheizungen sprechen eine deutliche Sprache – sie steigen kontinuierlich, da immer mehr „Häuslebauer“ die vielen Vorteile eines solchen Heizungssystems erkennen und für sich nutzen. Welche Vor-, aber auch Nachteile mit einer Pelletheizung gegeben sind, wird nachfolgend beleuchtet.

Vorteile

  • Moderne Pelletheizungen erreichen einen Wirkungsgrad von über 90%
  • Es entsteht eine absolute Unabhängigkeit von den fossilen Energieträgern Öl und Gas Sowohl Kfw als auch Bafa bieten gute Fördermöglichkeiten an
  • Werden Pellets von örtlichen Erzeugern gekauft, ist die Pelletheizung praktisch CO²-neutral – Hintergrund ist, dass bei der Verbrennung der Pellets ausschließlich so viel CO² frei gesetzt wird, wie beim Wachstum des Baumes aus der Umgebungsluft entnommen wurde.
  • Die wenige verbleibende Asche kann bequem über den  Hausmüll entsorgt oder als   hochwertiger Dünger im eigenen Garten verwendet werden
  • Pelletheizungen können sehr gut mit anderen regenerativen Energiequellen wie  beispielsweise Solaranlagen kombiniert werden
  • Unterhaltskosten für das Heizen sind vergleichsweise gering – es sind für längere Zeit sehr stabile Holzpreise zu erwarten

Nachteile

  • Die Kosten für die Anschaffung einer Pellet Heizungsanlage sind vergleichsweise hoch –je nach Modell und Ausführung können die Anschaffungskosten nahezu doppelt so hoch ausfallen wie bei einer im Heizwert vergleichbaren Öl- bzw. Gasheizung
  • Die Lagerung der Holzpellets sowie der Raumbedarf für die automatisierte Fördertechnik darf nicht unterschätzt werden
  • Gesonderte Anforderungen an die Sicherheit der Heizanlage müssen beachtet werden
  • Genau wie bei einer Ölheizung müssen die Pellets auf Vorrat gekauft und damit vor finanziert werden

WÄRMEPUMPENHEIZUNGEN

Wärmepumpen und die damit verbundenen Heizsysteme sind besonders umweltfreundlich und sehr effizient. Sie beziehen die Wärmeenergie, indem sie die, je nach Art der Wärmepumpe, Sonnenenergie aus der Luft, dem Wasser oder dem sie umgebenden Boden entziehen. Die so gewonnene Grundwärme wird über Kompressionstechniken deutlich erhöht. Ausgereifte Wärmepumpentechniken sind derzeit folgende:

Erdwärmepumpe (Sole-Wasser-Wärmepumpe) 

Die Erdwärmepumpe entzieht dem umgebenden Boden die durch Sonneneinstrahlung gespeicherte Wärme dicht unter der Erdoberfläche (durch dort verlegte Kollektoren). Eine weitere Version der Erdwärmepumpe nutzt das gleiche technische Prinzip, erhält seine Wärmeenergie allerdings durch tief in den Erdboden getriebene Wärmesonden.

 Wasser-Wasser-Wärmepumpe 

Diese Technik entzieht dem Grundwasser die gespeicherte Wärme, in dem das warme Wasser über ein Brunnensystem nach oben befördert wird.

Luft-Luft-Wärmepumpe 

Die Luft-Luft-Wärmepumpe speist sich aus der Abwärme der umgeben- den Raumluft und benötigt dafür ein spezielles Lüftungssystem.

 Luft-Wasser-Wärmepumpe 

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe nutzt die umgebende warme Außenluft und überführt die gewonnene Wärme über ein Rohrleitungssystem mit teils Wärmeträgerflüssigkeit in den Heizkreislauf.

Das Funktionsprinzip der Wärmepumpentechnik

Die grundlegende Technik hinter einer Wärmepumpenheizung entspricht im Grunde der eines gewöhnlichen Kühlschranks. Die Wärme-pumpe entzieht dem wärmeführenden Medium Luft, Wasser oder Erde die gespeicherte Wärme, erhöht die Temperatur dann noch über zusätzlich zugeführte Energie und gibt die Wärme dann über einen Wärmetauscher wieder ab, um sie an die gewünschte Stelle (z. B. Fußbodenheizung) ab. Für die maximale Heizleistung von 100% muss die Wärmepumpentechnik nur rund 25% zusätzliche Energie auf-wenden, wodurch sie sehr effizient wird.

Vorteile

  • Wird die notwendige zusätzliche Energie regenerativ (z. B. Photovoltaik) er-  zeugt, ist die Wärmepumpenheizung nahezu vollständig umweltfreundlich
  • Die Effizienz ist bis zu einer Außentemperatur von -15°C gewährleistet
  • Es entstehen beinahe keine laufenden Heizkosten
  • Ohne manuelle mechanische Beschädigung überzeugt die Wärmepumpentechnik mit einer sehr großen Lebensspanne, ohne dabei an Effizienz einzubüßen Bestehende Förderprogramme durch die KfW, Bafa und auch diverse örtliche Versorger machen dieses Modell auch finanziell etwas attraktiver
  • In heißen Sommermonaten kann durch die Umkehrung der Förderrichtung auch eine Kühlung erzeugt werden
  • Sowohl die Erdwärmepumpe als auch die Wasser-Wasser-Wärmepumpe  sind vollständig wartungsfrei – die beiden anderen Wärmepumpenversionen haben einen geringen Wartungsbedarf.
  • Wärmepumpenheizungen erzeugen eine Wertsteigerung für die Immobilie
  • Vollkommene Unabhängigkeit von unseren fossilen Energieträgern wie Gas und Öl
  • In Kombination mit Photovoltaikanlagen fallen für die notwendige Zusatzenergie keine laufenden Kosten an

Nachteile

  • Die Genehmigungsverfahren für die Installation einer Wärmepumpenheizung sind teilweise enorm langwierig und mühsam das liegt vor allem  an den notwendigen Bohrungen bei Wasser-Wasser-Wärmepumpen und  den Tiefenbohrungen für Erdsonden.
  • Die Erschließungskosten für die Wärmepumpennutzung sind, abhängig  vom Gelände und den örtlichen Gegebenheiten, teilweise extrem hoch
  • An Tagen mit besonders niedrigen Temperaturen deutlich unter -15°C  können die Stromkosten, sofern keine passende PV-Anlage vorhanden ist,  in die Höhe schnellen.
  • Um die Effizienz der Wärmepumpenheizung zu gewährleisten ist es nötig,  dass die Dämmung der Immobilie sehr hochwertig ist – ideal ist ein nahe zuluftdichter Abschluss der Gebäudehülle

SONSTIGE HEIZSYSTEME

Neben den genannten Heizungssystemen gibt es noch weitere Optionen, die man in Betracht ziehen kann. Dazu gehört beispielsweise die Ölheizung oder auch die Beheizung mittels Fernwärme. Bei beiden Heizungsarten kann man allerdings heut-zutage keine wirkliche Empfehlung aussprechen, was ganz unterschiedliche Gründe hat.

Fernwärme – trotz guter Effizienz nicht als Alleinheizung empfehlenswert

Fernwärme ist an sich eine sehr effiziente und umweltfreundliche Art, das eigene Heim mit wohliger Wärme zu versorgen. Der Grund, warum diese Art der Beheizung dennoch nicht empfehlenswert ist, ist folgender:

Bei dieser Art der Beheizung ist man vollkommen abhängig von der Versorgung durch den regionalen Anbieter. Sollte irgendwo ein Rohrbruch passieren, steht man ganz plötzlich völlig ohne Heizmöglichkeit da. Wenn man sich dennoch für diese Form der Beheizung entscheidet sollte man zwingend dafür sorgen, dass man sich auch unabhängig von der Fernwärme noch mit ausreichender Wärme versorgen kann. In diesem Fall ist es empfehlenswert, eine zusätzliche Holzheizung zu installieren.

Ölheizungen

Ölheizungen werden in Neubauten aus gutem Grund kaum noch installiert. Schlechte Umweltwerte gehen Hand in Hand mit stetig steigenden Ölpreisen. Bedingt durch den Umstand, dass es sich bei Öl um einen fossilen Brennstoff handelt ist es absehbar, dass die Preise für Öl mittel- und langfristig immer weiter steigen werden. 

LOHNENSWERTE HEIZUNGSSYSTEME – EIN FAZIT FÜR BAUHERREN

Nahezu alle genannten Heizungssysteme bieten ihre Vor- und Nachteile. Welches System das Beste ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Es ist allerdings sicher, dass es empfehlenswert ist, wenigstens 2 Systeme miteinander zu kombinieren, die sich gegenseitig ergänzen und/oder auffangen können, falls ein System ein-mal ausfällt.

Für den ländlichen Raum, in dem relativ viel Wald zu finden ist sind Holzvergaserheizungen (Pellet, Scheitholz, Hackschnitzel) als primäres Heizsystem auf jeden Fall zu empfehlen, da eine langfristige und gleichzeitig preiswerte Versorgungsicherheit gewährleistet ist. Diese kann zusätzlich mit einer Solarthermieanlage gekoppelt werden.

In städtischen Gebieten bietet sich hingegen eine Kombination aus Gasheizung und Solarthermieanlage an, da die Versorgung in diesen Regionen sehr gut ist. Möglich ist in solchen Gebieten auch die Kombination aus Fernwärme und Solarthermie.

Gemütlicher Innenraum mit hellem Stuhl Person reguliert Temperatur am Thermostat